wolfsgeheul.eu vom 09.04.2015

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Seit einem knappen Jahr pflegen ein guter Freund und ich – inzwischen ist die Kleingruppe auf drei Herren angewachsen und die „Bewerbung“ eines vierten läuft – den Brauch, so oft wie möglich den Donnerstag Abend gegen 18:30 Uhr mit einem gemeinsamen kulturellen Erlebnis zu begehen. Trotz Berufstätigkeit ist das allein eine Frage der Planung und Prioritätensetzung und gelingt erstaunlich häufig. Eine Bereicherung unserer Leben!

Heute abend wollten wir an einer Kuratorenführung im spannenden Aachener Ludwig Forum zur neuen Austellung „Le Souffleur“, einer hochinteressanten Zusammenführung bzw. Gegenüberstellung der Sammlungen „Ludwig“ und „Schürmann“ teilnehmen.

Obwohl der Freund gestern telephonisch ankündigte, womöglich wegen einer Grippe passen zu müssen, war ich erklärtermaßen wild  entschlossen, notfalls auch alleine hinzugehen. Eine Zigarettenlänge früher vor Ort mußte ich realisieren, daß er tatsächlich krankheitsgeschwächt ohne Umweg aus dem Bureau aufs heimische Sofa gefahren war. Jetzt galt es, zum Schwure anzutreten. Im verglasten Foyer konnte ich die Gruppe der bereits eingetroffenen Teilnehmer begutachten und an mir vorbei betraten weitere den Museumseingang. Was soll ich sagen, es waren ausnahmslos Rentner! Und zu meiner Schande muß ich gestehen, daß ich daraufhin gekniffen habe.

Vielleicht wollte ich nicht den Eindruck erwecken, ebenfalls über unendlich viel Zeit zu verfügen. Jedenfalls verspürte ich keinerlei Lust, mich dieser mehr oder weniger vitalen Pensionistengruppe anzuschließen. Und – am Rande sei es erwähnt – außerdem bin ich wieder Single und hege immer auch die Hoffnung, auf nette Frauen zu treffen; eventuell reiche, aber jedenfalls steinalte Witwen stehen dabei jedoch nicht in meinem Fokus.

Leider ergeht es einem bei Konzerten und im Theater ähnlich. Immer stößt man überwiegend auf Graukappen. So löblich es ist, daß sich die Alten noch so interessiert zeigen, so furchtbar und unverständlich ist es, daß die Jugend und die arbeitende Bevölkerung sich derart verweigern. Man muß fast befürchten, daß mit den jetzt Betagten die Menschen aussterben, die den Angeboten des teuren Kulturbetriebs Folge leisten. Die „Kulturstätten“ heißen dann zukünftig wohl Tapas-oder Sushibar, Multiplexkino, Fitneßstudio, Musical Dome, Lauftreff etc.. So kommt man weder zu Bildung noch zur Besinnung.

„Schöne neue Welt“!

Gute Nacht!

Ihr/Euer Wolf

 

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wolfsgeheul.eu vom 08.04.2015

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Die schweren Themen gehen mir heute – es herrscht eher nachösterliche Langeweile – genauso aus wie aufs Gemüt!

Es muß etwas Leichtes her! Als wenig wiegendes Reizobjekt, sowohl zum Lachen als auch, um sich obdessen in Hose zu machen, bietet sich mir die aktuelle – und nicht nur die –  „Apothekenrundschau“, ein Presseorgan welches u. a. der „Bäckerblume“ – eine interessante Wendung – inzwischen den Rang abgelaufen zu haben scheint, an. Ein Titelthema dieses Mal ist „Wie sie trotz Handicap in ihrer Wohnung mobil bleiben!“.

Wie grandios die literarisch dilettierende Pharmalobby hier auf Leser- oder sollte ich besser sagen Rentnerfang geht! Die Altersformel lautet heute: Je älter, umso reicher – je reicher, umso Golfer! Golf, eine der wenigen Sportarten, die man neben Hallenjojo und Taschenbillard auch noch mit Rollator spielen kann, und das, obwohl unter multiplem Tablettenkonsum stehend. Vielleicht dürfte man so eigentlich nicht mehr mit dem Auto zum Golfplatz fahren, aber wenn man ihn ersteinmal erreicht hat, geht es künstlich vitalisiert los zum Outdoor-Mensch-ärgere-Dich-nicht! Danach noch auf der Terrasse drei Stündchen bei Bier, Wein oder am wahrscheinlichsten beim Piccolöchen über den letzten Bunkerschlag – für die älteren männlichen Mitstreiter läßt sich hierbei auch noch fröhlich ein Anekdötchen im bewegten Gedenken an den Führer aus der Normandie einstreuen – lamentieren, und dann vieldeutig beschwingt ab ins mobile Heim!

Da fährt der golfende Rentner dann zuallererst mit dem Treppenlift ins Bad hinauf, später ins Pornokino und zum klimatisierten Weingelaß hinab in den Keller, um den Abend dann auf rez-de-chaussée mit Günther Jauch und der „dummen Kuh“ an der Seite ausklingen zu lassen.

Wie schön, daß den Sportlern mit Handicap noch ein so bewegliches Alter beschert sein kann! Der „Apothekenrundschau“ und den teuren Pillekes sei Dank!

Gute Nacht!

Ihr/Euer Wolf

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