wolfsgeheul.eu vom 07.11.2017

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„Wie der Herr, so’s Gescherr!“ besagt eine alte Lebensweisheit.

Ein wunderbares Gefühl, zu wissen, daß man in seinen Kindern auf die eine oder andere Art weiterlebt! Aber bitte nur in Teilen! Denn nichts ist schlimmer als eine billige Kopie!

Wie es der Zufall so will, bringen soziale Netzwerke manchmal Erkenntnisse zu immer schon oder heute fernen Menschen, die einmal unseren Weg gekreuzt haben. Auf diese Weise habe ich erfahren, daß der Sohn, den ich nur als kleinen, etwas verstockten Jungen kenne, eines verflossenen Bekannten in einer offenbar respektablen Band inzwischen die Tasten drückt. Keine Überraschung, denn der Vater ist durchaus überdurchschnittlich musikalisch und verfügt außerdem über einen ganz speziellen Witz, der abseits sonstiger Charaktereigenschaften häufig geeignet war, äußerstes Amüsement zu bescheren. Wir haben viel gelacht miteinander. Das ist schon weit mehr, als man gewöhnlich erwarten kann, und an sich ein Wert unabhängig vom Rest der Person.

Auf der Homepage des Musikensembles nun wird der Junge mit dem Prädikat des „ältesten 20-Jährigen“ versehen und ihm wird anerkennend bescheinigt, er sei „Meister des gepflegt-subtil-trockenen Altherrren-Humors“. Man wähnt seinen Erzeuger beim Lesen praktisch vor sich.

Ein junger Mann mit dem Humor alter Herren! Wie furchtbar! Aber wenigstens muß er sich dann später nicht wandeln bzw. umstellen. Der paßt bis ins hohe Alter.

Nichts ist schlimmer, als sich Klone zu schaffen. Schämen würde ich mich, wären meine Sprößlinge nur ein schlichter Abklatsch meiner selbst und keine ganz besonderen Individuen, in denen ich mich natürlich teilweise spiegele. Was tut man Kindern an, die schon weit vor Abschluß des Reifevorganges, der eigentlich ein ganzes Leben währen sollte, fertige Menschen mit Abziehbildcharakter sind und gegebenenfalls bleiben! Man kann dem jungen Mann nur wünschen, daß er sich baldigst emanzipiert und ganz eigene Züge entwickelt. Sinn für Musik und Humor sind dabei nicht die schlechtesten Grundvoraussetzungen.

Auf die Eigenständigkeit!

Gute Nacht!

Ihr/Euer Wolf

 

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wolfsgeheul.eu vom 06.11.2017

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Notwendige Übel!

Spaß macht es und angenehm fühlt es sich an, wenn man oder etwas sauber ist.

Wer allerdings behauptet, seine Freude daran zu haben, für Sauberkeit in jeglicher Hinsicht zu sorgen, der lügt entweder bzw. macht sich etwas vor oder tickt in meinen Augen nicht richtig. Der Genuß beginnt doch erst, wenn es geschafft ist. Insofern handelt es sich um den Lohn einer Qual, der allerdings den Arbeitsvorgang selbst im nachhinein nicht in diesen Stand zu heben vermag.

Duschen und Baden mögen eine Ausnahme bilden, aber Putzen, Rasieren, Zahnpflege und das Schneiden der Fingernägel stellen doch nur immer wieder die Bereitschaft, uns in Disziplin zu üben, hart auf die Probe. Es geht einzig und allein darum, nicht zu verkommen.

Könnte man aber eventuell die von Erbaulichkeit geprägte Lebenszeit maximieren, indem man Pflegemaßnahmen zurückfährt? Jemand, der neulich einmal erklärte, er habe sich aus diesem Grunde einen Bart wachsen lassen, brachte mich auf diese Idee. Ich glaube das nicht. Der Grenznutzen geht immer und überall gegen Null. Es kommt also wieder einmal nicht auf die Quantität, sondern allein auf die Qualität an. Außerdem handelt es sich um einen Irrglauben, wenn man vom Leben erwartet, es müsse überwiegend Spaß bereiten. Letztlich sind wir dazu verbannt, es solange wie möglich zu überleben sowie das Beste zu geben und daraus zu machen.

Selbst wenn man meint, das mit Bart tun zu müssen, bleiben immer noch genug profane Tätigkeiten übrig, um unsere Fähigkeit zu prüfen, es mit Würde zu durchstehen.

Damit hat das Leben an sich Züge eines notwendigen Übels, denn wir haben nur eines. Und das ist ein letztlich wunderbares Geschenk.

Gute Nacht

Ihr/Euer Wolf

 

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