wolfsgeheul.eu vom 16.03.2016

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„Brüh im Glanze dieses Glückes“!

Hätte ich im ersten Satz schon den Namen Sarah Connor erwähnt, wüßte ich, daß zum Beispiel ein lieber Kollege aus dem Rhein-Main-Gebiet gar nicht erst weiterlesen würde. So hoffe ich aber, daß wir uns gemeinsam an den peinlichen Textpatzer in unserer Nationalhymne erinnern, den die schon physiognomisch vor Intelligenz nur so strotzende Schulabbrecherin 2005 bei der Eröffnung der Allianz Arena hineingeträllert hat. Diese zugegebenermaßen höchst erfolgreiche Singdrossel wurde nun laut T-Online von der mir bis dato unbekannten und im übrigen unter der gelinde gesagt zweifelhaften, weil möglicherweise etwas zu rechtskonservativen Schriftleitung von einem Thomas Paulwitz stehenden Zeitung „Deutsche Sprachwelt“ wegen ihres letzten, in deutscher Sprache besungenen Albums zur „Sprachwahrerin des Jahres“ gekürt. Großartige Idee!

Wenn ich in diesen Tagen Radio höre, werde ich immer wieder von dem Song „Kommst Du mit ihr“ mit Textstellen belästigt wie diesen:

„Vier Uhr nachts hälst du mich für dumm? Ich weiss ganz genau, du machst jetzt mit ihr rum.“

„Kommst du mit ihr wie mit mir? Berührt sie dich so wie ich? Kommt sie mit dir überall hin? Machst du’s mit ihr genauso wie wir?“

„Und es ist scheiß egal, wie viel Zeit noch vergeht. Denn du bist nicht mehr da, nicht mehr bei mir.“

Über dieses ungewünscht indiskrete und nahezu eklig intime Liedchen ärgere ich mich schon seit längerem.

Das ist zwar Deutsch, wenn auch gewöhnliches! Insofern liegt das tolle teutsche Sprachorgan wohl richtig. Aber reicht das für eine Ehrung aus!? Meiner Meinung nach interessiert es keinen Menschen, wie sich unser teutsches Blondchen zermartert  bei dem Gedanken, daß ein Ex von ihr nunmehr offenbar eine neue Gespielin gefunden hat, und ihren vergangenen Orgasmen nachtrauert und die aktuellen ihrer Nachfolgerin augenscheinlich mißgönnt. Was soll dieses Gejammere einer unbefriedigten verlassenen Mutti zur besten Sendezeit, wenn im übrigen auch Minderjährige zuhören!? Ist es für Herrn Paulwitz(Jahrgang 73), der sich übrigens seiner ostpreußischen Vorfahren zu rühmen(sic!) scheint, schon eine Qualität, wenn genauso schlüpfrige wie belanglose Schlagertexte statt auf Englisch in deutscher Sprache vorgetragen werden!?

Manchmal frage ich mich, ob ich bescheuert bin oder doch die anderen. Jedenfalls brauche ich eine Zeitung nicht zur Kenntnis zu nehmen und zu lesen, die Frau Connor im Zusammenhang mit Sprache würdigt, statt sie maximal für den „Dumm fickt gut-Award“ zu nominieren. Wer nämlich die deutsche Sprache auf hohem Niveau erhalten möchte, braucht uns‘ Sarah definitiv nicht an seiner Seite.

Heute abend werde ich mir ein Maggi-Süppchen kochen, ohne das Küchenradio einzuschalten. Nur so kann ich sicher sein, daß mir Sarah Conner nicht in die Suppe suppt!

Da singe ich lieber selbst: „Brüh im Glanze dieses Würfels“!

Gute Nacht!

Ihr/Euer Wolf

 

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wolfsgeheul.eu vom 17.11.2015

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Auf meine „Erektions-Kolumne“ vom 08.10.2015 gibt es Veranlassung, einmal zurückzukommen, da die dort thematisierte Pillenwerbung offenbar weitreichendere Folgen zeitigt.

In der letzten Ausgabe des leider überwiegend witzlos gewordenen, sporadisch erscheinenden Magazins der FAZ fällt eine doppelseitige Anzeige für Armbanduhren der Firma Chanel ins Auge!

Rechts bildfüllend der schwarzgoldene Glitzerwecker der Edel-Mode-Firma, der so häßlich und überflüssig wie ein Kropf ist! Frauen würden doch auch niemals ihre Dessous oder Kleider von Rolex kaufen, oder!? Wahrscheinlich liege ich jedoch inzwischen falsch. Der Trend zur Produkterweiterung bekannter Labels scheint nämlich unaufhaltsam und wurde ebenfalls hier schon kommentiert.

Sei es drum! Auf die linke Seite kommt es an. Da sitzt eine hübsche junge Frau in einem Roadster, steuert lässig mit einer Hand, während sie sich mit der anderen selbstbewußt und dezent aufreizend ins leicht wehende Haar greift. Jetzt kann man einmal sehen, was eine homöopathische Pillendreherbude mit einer leichtfertigen Werbung für ihre pflanzliche Aufrichtungshilfe so alles anzurichten vermag!

Die Amazone fährt nämlich nicht nur, sondern sie sitzt auch noch allein im Auto. Außerdem handelt es sich – es ist nur die obere Mitte des Wagens zu sehen – bei dem Roadster mit ziemlicher Sicherheit um eine Shelby Cobra, Baujahr ca. 64, ein Männerauto schlechthin. Außer von Elly Beinhorn oder Michelle Mouton kaum von Frauenhand beherrschbar!

Das ist eine radikale Steigerung zur fröhlichen Edel-Mutti, die ihren graumelierten Ehemann mit Potenzproblemen im offenen Triumph chauffiert. Noch vor gar nicht so langer Zeit hätte genau dieses Senioren-Männermodel neben der jungen Chanel-Dame gesessen, und sie durch den Wind gefahren. Seine sexuelle Vitalität hätte außer Frage gestanden, und als alter Gönner wäre er auch der edle Spender des diamantenblitzenden Goldührchens gewesen, als kleiner Dank dafür, daß der jugendliche Blickfang bereit ist, an seiner Seite zu glänzen.

Heute fährt die junge Frau selbst und kauft sich die begehrte Pretiose vom eigenen Geld, um dann einsam, aber geschmückt im Männer-Roadster abzurauschen.

Nun wird man der Werbung nicht unterstellen können, daß sie maßgeblich neue Rollenbilder kreiert. Vielmehr reagiert sie auf aktuelle Strömungen, im Glauben, sie müsse, um die Kunden zu erreichen, die veränderte Wirklichkeit abbilden. Da sie aber jeden noch so kleinen Trend sehr früh aufgreift, trägt sie eine prägende Mitverantwortung an gesellschaftlichen Veränderungen.

Wieder und wieder muß man traurig feststellen: Kein Wunder also, daß immer weniger Kinder geboren werden.

Und, liebes Potenzkräuterhexenunternehmen, der von euch gesetzte Trend wird langfristig nicht euer Freund sein und die Produktion ankurbeln, denn wo soll der grauhaarige Alters-Beau mit seinem revitalisierten Vermögen hin, wenn ihm die jungen Dinger in ihren röhrenden Roadstern davonfahren, während die Menopausen-Gattin wahrscheinlich in seinem TR 6 ebenfalls alleine ein Ründchen dreht.

Und noch etwas zum Abschluß, Chanel! Der Haupttext der Anzeige lautet „L’INSTANT CHANEL“, für die deutsche Version um das klein darunter gesetzte „DER CHANEL MOMENT“ ergänzt.

Was soll das denn!? Glaubt ihr wirklich, daß die potentielle Käuferin eurer Frisösenuhr sonst denkt, es handele sich um ein Instantprodukt, vielleicht sogar weil Band und Gehäuse tatsächlich aus schwarzer Hightech-Keramik bestehen? Eine köstliche Vorstellung übrigens, daß die Uhr als Bausatz geliefert wird, bei dem man feines schwarzes Pulver zunächst mit heißem Wasser übergießen muß, um es Uhr werden zu lassen. Euer Model vermittelt jedoch weder den Eindruck, nicht des Französischen mächtig zu sein, noch wird man einer teure alte Autos fahrenden, mutmaßlich gebildeten und erfolgreichen Frau unterstellen können, sie kenne sich mit modernen Materialien nicht aus. Die Kunst hätte also im Weglassen bestanden, denn die, die der Übersetzung bedürfen, können sich euer Produkt meist ohnehin nicht leisten oder würden es trotzdem haben wollen.

Pour l’instant, maggi, pardon, magie, non, merci!

Gute Nacht und vielleicht zum besseren Schlaf vorher noch ein Instant-Süppchen von Chanel – bestimmt im gutsortierten Feinkosthandel erhältlich- heiß machen!?

Ihr/Euer Wolf

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