wolfsgeheul.eu vom 25.05.2015

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In der FAZ vom 13.05.2015 fiel mir auf Seite N 2 im Wissenschaftsteil ein kleiner Artikel auf, dessen Überschrift „Mobbing schadet mehr als Mißhandlung“ bereits leichtes Unwohlsein verursachte und intellektuelle wie emotionale Abwehr auslöste.

Wissenschaftler der Universität Warwick haben wohl Kinder bzw. deren psychopathologische Entwicklung untersucht, die zwischen der achten Woche und dem sechzehnten Jahr ihres Lebens entweder Mißhandlung – umfassend sowohl Schläge und Vernachlässigung als auch sexuellen Mißbrauch – oder Mobbing durch Gleichaltrige oder sogar beides erdulden mußten und in der Folge mit Depressionen, selbstverletzendem Verhalten, Angststörungen o. ä. zu kämpfen hatten bzw. haben. Ergebnis soll – gesagt mit meinen Worten – sein, daß Mobbing die nachhaltigsten krankhaften Probleme bereitet, was letztlich in einem Aufruf der Wissenschaftler an die Behörden mündet, Mobbing ernster als offenbar bisher zu nehmen.

Die erste Frage, die sich stellt, ist, wie man überhaupt auf den Untersuchungsansatz kommt. Mir fehlt leider die wissenschaftliche Grundlage, um vollumfänglich satisfaktionsfähig zu sein. Gleichwohl wage ich die Unterstellung, daß man doch die Intention gehabt haben muß, das Mobbing hinsichtlich seiner Folgen „aufzuwerten“, da ansonsten schon der gesunde Menschenverstand einem insinuiert, daß es eigentlich außer den Tod nichts Grausameres und Traumatisierenderes geben kann, als sexuellen Mißbrauch von Kindern. Ich jedenfalls wäre niemals auf die mir fast krank anmutende Idee gekommen, eine solche Untat auch nur im Ansatz zu relativieren und hinsichtlich der Folgen mit irgend etwas anderem zu vergleichen. Außerdem erlaube ich mir, die in meinen Augen sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen lediglich aufgebauschte Relevanz des Mobbings an sich anzuzweifeln. So gehören zum Mobbing unter Gleichaltrigen zuallererst immer zwei, nämlich der, der es ausübt, und der, der es still und eventuell sogar mit krankhaften Folgen über sich ergehen läßt. Nun könnte man sagen, daß sei bei sexuellem Mißbrauch doch ähnlich. Das ist es aber nicht. Bei letzterem haben wir es mit einer einseitigen Aggression ausgeübt von Erwachsenen zu tun, bei der die Kinder in der Altersklasse, die der Untersuchung zugrunde lag, zumeist nicht den Hauch einer Chance auf Gegenwehr haben. Das ist ein gravierender Unterschied zum Mobbing unter Gleichaltrigen, wie in der Untersuchung definitionsgemäß wohl gegeben, und gilt im übrigen für alle Alterklassen. Allein deshalb werden hier m. E. Äpfel mit Birnen verglichen, und es verbietet sich damit nach meiner festen Überzeugung schon jegliches In-Relation-Setzen der beiden Tatbestände. Außerdem bezweifele ich, wie bereits angedeutet, grundsätzlich die krankmachende Relevanz von Mobbing. Früher waren das Hänseleien, denen sich jeder, natürlich der eine mehr als der andere, einmal ausgesetzt gesehen hat. Sie gehörten zu einer Entwicklung dazu, erstens, um zu erkennen, daß der Mensch im Umgang mit seinesgleichen fast eher zu soetwas neigt als zu Freundlichkeiten, und zweitens, um zu lernen, wie man solche Anfeindungen und Häßlichkeiten erfolgreich abwehrt oder zumindest folgenlos erträgt. Außerdem ist es im animalischen Erbgut des Menschen immer noch grundgelegt, daß man früher oder später von einem Opfer – die zunehmenden Grenzüberschreitungen sind eine Zivilisationskrankheit und wider die Natur – abläßt, das sich nicht wehrt und auch ansonsten keine Reaktion zeigt.  Zudem laufen unter normalen Umständen auch emotionale Prozesse im Täter ab, die irgendwann so etwas wie Mitleid auslösen, und außerdem hat der Gemobbte überwiegend die realistische Chance und eigentlich die zwingende Aufgabe, sich seiner Haut durch geeignete Abwehrstrategien und -maßnahmen zu erwehren, wie er es auch in allen anderen Lebensbereichen lernen und können muß, um zu leben und zu überleben. Mobbing, wenn es wie gewöhnlich beiläufig und nicht vorsätzlich mit einem gewissen Ziel wie Kündigung o. ä. erfolgt, wird also bald langweilig und/oder abgewehrt und erledigt sich daher in überschaubarer Zeit – spätestens übrigens wenn sich ein neues, besseres Opfer anbietet – von selbst. In keinster Weise will ich damit Mobbing schönreden, es ist eine Charakterschwäche, und man macht es eigentlich nicht, weshalb es eine Erziehungsaufgabe ist, diese negative menschliche Eigenschaft unterdrücken zu lernen. Die generelle Pathologisierung  aber geht mir zu weit und steht in meinen Augen unter dem Verdacht, daß sich die Medizin- und Pharmawelt hier nur wieder ein neues Betätigungsfeld überwiegend zum eigenen Nutzen und Frommen zu schaffen versucht. Und die tollen Wissenschaftler in England sind auserkoren bzw. fühlen sich berufen, dafür die vorbereitende Drecksarbeit zu machen!?

Das mag ja ökonomisch nachvollziehbar und sogar legitim sein, moralisch ist es in meinen Augen eine Katastrophe. Mit dem Mord an Kinderseelen durch Mißbrauch spielt man  und man mißbraucht ihn nicht. Es ist verachtenswürdig. Und das Schaffen neuer Krankheitsbilder aus normalen, wenn auch lästigen und unerfreulichen Lebensumständen ist kaum besser. Und die Überschrift ist geeignet, Kindesmißhandler zu beruhigen, weil sie sich ja sagen können, es sei nicht schlimmer als Mobbing. Ungeschick läßt grüßen!

Gute Nacht!

Ihr/Euer Wolf

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