wolfsgeheul.eu vom 01.05.2015

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„Tag der Arbeit“! Eine weit über einhundert Jahre alte Tradition entstanden aus Ereignissen in Australien und Amerika Mitte bzw. Ende des 19. Jahrhunderts und tatsächlich ursprünglich eigentlich eher ein „Tag des Arbeiters“ oder genauer ein „Tag der Arbeiterbewegung“! Fraglich ist, wie lange dieser Feiertag unter diesem Rubrum überhaupt noch Berechtigung hat. Ende der 50er Jahre war das Verhältnis Arbeiter zu Angestellten noch rund 70 zu 30, während es heute nahezu umgekehrt ist. Die Maschinen und Robotor ersetzen zunehmend den Arbeiter, und der Angestellte ist sowohl prozentual als auch zahlenmäßig auf dem Vormarsch. Der „Verdi-Tag“ oder „Tag des Angestelltentums“ wäre also bald nur die konsequente Anpassung an die Realität!? Die Gruppe der heutigen Angestellten aber unterscheidet sich in meinen Augen nur unwesentlich von den Arbeitern von damals und dem Rest von ihnen heute, so daß sich eine Umbenennung eigentlich erübrigt, will sagen, der jetzige Angestellte – inzwischen genauso gewerkschaftlich organisiert – ist der neue Arbeiter. Warum sage ich das?

Früher gab es unabhängig von der unterschiedlichen Ausbildung – da war übrigens auch der Hauptschulabschluß noch Garant für respektable Bildung – ganz besondere Eigenheiten in den jeweiligen Gruppen. Während der Arbeiter sich untereinander duzte und aus seinem Lohn kein Geheimnis machte, galt unter Angestellten das „Sie“, und das individuelle Gehalt war noch ein Tabu-Thema. Schöne Zeiten, erlaubten sie doch, ohne gleich Neid und Mißgunst zu erregen, bessere Leistung auch höher, übrigens im eigentlichen Wortsinne, zu honorieren. Tempi passati! Krankenhäuser – vielleicht Chefärzte und Verwaltungsspitze ausgenommen – sind über alle Ebenen hinweg ein kollektiver Duz-Raum. Gleiches gilt für Universitäten, Finanzverwaltung, Polizei, Justiz und andere öffentliche und private Verwaltungen. Und die Gehälter sind überall Kantinengespräch.

Der „Tag der Arbeit“ ist also aktuell wie nie und vertritt eine größere Bevölkerungsgruppe denn je! Wir sind eine verproletarisierte Gesellschaft, der „Arbeiter-und-Bauern-Staat“ im Kapitalismus. Schade! Früher gab es klare Unterschiede, und das hat den gegenseitigen Respekt der unterschiedlichen Gesellschaftsgruppen eher gefördert als gehindert; und ausdrücklich meine ich „gegenseitig“, denn der Arbeiter hatte auf seine Art den gleichen Respekt wie der Firmeninhaber. Heute hat dagegen keiner vor keinem mehr Respekt mit bereits erkennbaren und unabsehbaren Folgen. Polizisten, Richter, Unternehmer, Lehrer etc., sie alle haben schon darunter zu leiden. Gleichheit, ein Phyrrussieg!

Und die augenfälligste Erscheinung all dessen ist der heutige inflationäre Gebrauch der Bezeichnung „Kollege“! Man achte einmal darauf, jeder ist inzwischen eines jeden Kollege. Prima, aber eine grandiose Augenwischerei! Weiterhin gilt nämlich: „Homo homini lupus!“. Wer das nicht sieht, glaubt vielleicht, heute in einer besseren Zeit zu leben, und verkennt dabei, daß sich grundsätzlich nichts geändert hat. Arglosigkeit ist Dummheit!

In diesem Sinne

gute Nacht!

Ihr/Euer Wolf

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