wolfsgeheul.eu vom 08.05.2015

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Es ist ein Kreuz mit den hellen Hosen zur warmen Jahreszeit. Man kann darauf warten, daß meist beim ersten Tragen des frischgereinigten Beinkleides entweder bemerkt oder unbemerkt sich ein störender Fleck, oft noch an exponierter oder sogar peinlicher Stelle auf die gebügelte Oberfläche drapiert und dreist das nur für kurze Zeit sauber gewesene Gesamtkunstwerk verunziert. Wäre der Fleck ein Mensch, würde man ihn als boshaft und mißgünstig charakterisieren. Es muß eigentlich so sein, denn, zieht man eine dreckige Hose an, passiert Nämliches mit dieser Sicherheit und Regelmäßigkeit nicht.

Nun wird der Kundige vielleicht sofort anmerken, daß hier eben nur wieder Murphys Gesetz zuschlägt. Das erklärt das Phänomen aber nicht hinreichend, denn es bildet zwar die Grundlage dafür, daß es als sicher anzunehmen ist, daß früher oder später ein sauberes Stück Kleidung durch einen Fleck verunreinigt wird, aber es gibt keine befriedigende Antwort darauf, daß dies fast immer recht schnell geschieht.

Vielleicht menschelt es aber doch bei Fleck und Hose!? Die strahlendreine Buxe ist eine Provokation für den Fleck in spe, der sich denkt, daß er diese Arroganz, in einer in jedweder Hinsicht schmutzigen Welt zu glauben, man könne in ihr ungestraft über längere Zeit ein fleckanfälliges, weil helles Kleidungsstück zur Schau stellen, umgehend mit einer Strafe, ja, wohl der gerechten Strafe belegen muß.

Physikalisch könnte natürlich auch so etwas wie ein der Hose innewohnender Magnetismus existieren, der den Fleck, ob er will oder nicht, anzieht?

Letztlich wäre es denkbar, daß der Grund in der Psychologie des Trägers zu suchen ist. Dann bedingten die geschilderten, mannigfaltigen negativen Erfahrungen im Sinne einer selbsterfüllenden Prophezeiung eine zwangläufige Ungeschicklichkeit, die dann unweigerlich und zügig zu der gefürchteten Erstverschmutzung führt.

Sei es, wie es sei! Das sind alles nur hilflose Erklärungsversuche. Viel wichtiger aber ist es doch, zu fragen, ob man dagegen denn eventuell etwas unternehmen kann. Ich glaube schon. Die Lösung zur Vermeidung des ersten Fleckes könnte darin liegen, daß der Hersteller der Hose ihr ab Werk einen nicht übertriebenen aber gut sichtbaren Fleck mitgibt, der waschecht ist und immer, also auch im gereinigten Zustand – die Waschfrequenz könnte dann aber drastisch reduziert werden, was obendrein die Umwelt entlastete – die Rolle der Erstverschandelung übernimmt. Vielleicht setzt diese Maßnahme ähnlich wie bei der dreckigen Hose alle oben beschriebenen Systematiken außer Kraft? Diese Methode funktioniert doch auch beim Ruf eines Menschen in quasi analoger Weise im Sinne einer Erleichterung des Lebens, wenn man nämlich dem Volksmund Glauben schenkt, daß es sich dann recht ungeniert lebe, wenn der Ruf ersteinmal ruiniert ist. Übertragen läßt sich das Fleckenmodell übrigens ganz einfach auf den ersten Lackkratzer am nagelneuen Automobil und vielleicht sogar auf zwischenmenschliche Beziehungen, die doch auch mit einhundert prozentiger Sicherheit über kurz oder lang den ersten schweren Schlag hinnehmen müssen, der durchaus geeignet ist, das himmelhochjauchzend Zusammengefügte von jetzt auf gleich zu trennen oder zumindest in schweres Fahrwasser zu führen. Warum also sich ins Unvermeidliche fügen und tatenlos warten, bis es passiert, statt es direkt zu Anfang einer Beziehung und unter Abnahme der rosaroten Brille einmal vorsätzlich richtig krachen zu lassen!?

Darüber gilt es nachzudenken!

Gute Nacht!

Ihr/Euer Wolf

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